August Belz, 1.11.1907 - 27.12.1971Portrait August Belz

Bewerbung und Aufnahme in den Freimaurerbund

Arthur August Belz, Kaufmann, geboren am 1. November 1907, Bürger von Neukirch-Egnach, ledig, protestantisch.

Berufsausbildung:
  • 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Sekundarschule in Goldach

  • 3 Jahre kaufm. Lehre in der Firma Starrfräsenmaschinen AG in Rorschach und gleichzeitiger Besuch der Handelsschule Rorschach.

  • 1/2 Jahr in England zur Erlernung der Sprache.

  • l Jahr als Korrespondent in Loth bei Brüssel.

  • 3/4 Jahre als Korrespondent in Düsseldorf.

  • Seit Ende 1929 leite ich den kaufm. Teil des Geschäftes von meinem Vater (Rasierklingenfabrik).

In Abendstunden habe ich noch die Anfänge der italienischen und spanischen Sprache erlernt. Ferner absolvierte ich beim Lehrinstitut Onken in Kreuzlingen berufsbegleitend einen Kurs als Maschinentechniker.

  • Seit 2 1/2 Jähren bin ich noch Inhaber des Vertriebsbüros Belras AG in Zürich für unsere HELVETIA-Rasierklingen.

Tätigkeit im bürgerlichen Leben:
  • 10 Jahre Aktivturner im Stadtturnverein Rorschach, wobei 3 Jahre als 1. Kassier und 4 Jahre als Redaktor des "Rorschacher Turnerblattes".

  • 6 Jahre aktiver Samariter im Samariterverein Rorschach, wovon 3 - 4 Jahre als Präsident.

  • Einige Jahre Mitglied der Jungliberalen Bewegung Rorschach und kurze Zeit Beisitzer im Vorstand desselben.

Militärische Einteilung:
  • HD Abt. Ziviler Luftschutz, Goldach.

  • Leutnant bei der Sanität. (Bei den Aushebungen war ich zweimal zu schmal!)

Allgemeines:

Wir sind fünf Geschwister. Von den vier Brüdern bin ich der Älteste. Die Schwester ist noch älter und besorgt den Haushalt mit Mama.

Wir haben eine harmonische Jugendzeit verlebt und halten noch heute zueinander. - Ein Bruder ist seit etwa einem Jahr in Afrika. Ein anderer Bruder ist seit vielen Jahren in der Werkstatt unserer Fabrik tätig (z.Zt. ebenfalls im Dienst) und der jüngste Bruder ist auf der Post angestellt (z.Zt. ebenfalls im Dienst).

Ich glaube, dass unsere Erziehung eine gute war. Wir alle haben arbeiten gelernt, sind hilfsbereit, anständig und achten den Menschen.

Was nun meine geistigen oder seelischen Werte betrifft, so fällt es mir schwer, darüber zu schreiben, weil dafür der Massstab fehlt. - Dazu sind viele Werte relativ, d.h. was ich als MINUS ansehe, betrachtet ein anderer als PLUS. - Folgende Angaben, etwas durcheinander erzählt, mögen vielleicht einige Anhaltspunkte hierzu geben: Man sagt von mir, ich sei die Ruhe selbst, und ich finde es oft als Nachteil, dass ich mich nicht aufregen und "die Meinung sagen kann". Wenn Sie mich nach meine Idealen fragen, so sind es zwei:

"Gerechtigkeit und Freiheit."

Nun zu meinen Büchern: In den Jugendjahren las ich mit Begeisterung die etwas philosophischen Bücher der beiden Amerikaner O.S. Marden und Ralph Waldo Trine, von denen ich etwa 10 besitze. Als Romanschriftsteller verehrte ich Jack London - der, wie ich, für Freiheit und Gerechtigkeit eintrat - von dem ich wohl sämtliche Werke besitze. Neben Nietzsche, den ich interessant finde, besitze ich noch einige Werke der sog. klassischen Literatur, z.Bsp. Goethe u. Andere - Dann gefallen mir noch Tolstoj, Dante und Homer. Eine kleine Körner-Ausgabe über die Lebensweisheit der Griechen habe ich stets im Nachttischli. Sonst füllen noch etwa 100 Bücher und Büchlein als kaufmännische Fachliteratur mein Gestell."

Anbei noch eine Beurteilung meiner Handschrift. Ich glaube, dass ich geduldig bin.

Zu erwähnen ist noch, dass ich etwelchen Humor besitze, der eher etwas sarkastisch genannt wird. Und wenn sie fragen, was ich nun am liebsten tun würde, so wäre es reisen, reisen und nochmals reisen. Desto weiter, umso lieber.

Zu den mir in der Loge gestellten Fragen:
  • Glauben Sie an Gott?

Ja, ich glaube an Gott.

  • Was erwarten Sie von der Freimaurerei?

Ich hoffe im Freimaurerbunde für mich Anleitung, Ansporn und Beispiele zu finden zur Förderung meiner Ideale der Gerechtigkeit und der Humanität.

  • Was kann die Freimaurerei von Ihnen erwarten?

Der Freimaurerbund soll in mir ein Mitglied erhalten, das den Willen und die Kraft haben will, anderen Menschen das Leben lebenswert zu machen.

  • Möchten Sie zum Meister erhoben werden?

Ja. Ich wünsche sehr, in die Weisungen und Lehren des 3. Grades einzudringen.

  • Was kann die Loge von Ihnen als Meister erwarten?

Möglichst regelmässiger Besuch aller Baurisse und Tempelarbeiten. Kauf und Studium von Büchern für und gegen die Freimaurerei.

  • Wie gedenken Sie sich für die Freimaurerei einzusetzen?

Durch tätige Übung der Nächstenliebe, alle Menschen verstehen zu lernen und in allem Geschehen den Weg der Gerechtigkeit und Freiheit zu suchen. Seit gut einem Jahr habe ich 20 Patenkinder des Roten Kreuzes übernommen. Die Arbeiter versuche ich gerecht zu behandeln und ihnen rechte Löhne zu bezahlen. Die Teuerungszulage auf alle Löhne und Gehälter beträgt 40%. - Wer in Not ist und zu mir kommt, dem versuche ich zu helfen, so gut ich es kann.

  • Was halten Sie von der christlichen Religion?

In der Freimaurerei gibt es eine Determiniertheit, d.h. eine Gottverbundenheit alles Lebens. Der allmächtige Baumeister a.W. ist die wirkende Wesenheit aller Dinge; alles ist in ihm und hängt von ihm ab; ohne ihn kann nichts sein noch begriffen werden (Spinoza). Tatsächlich erkennen kann der Mensch gegenüber der unendlichen Mannigfaltigkeit des Seins nur die allgemeine Gesetzmässigkeit. Der erkennende Mensch ist frei. Der Geist, der sein "Sein" wahrhaft zu erhalten strebt, findet im Erkennen die Grundlage der Tugend. Das Höchste, was der Geist erkennen kann, ist Gott. Aus der intuitiven Erkenntnis Gottes entspringt die Liebe zu Gott. In der Vereinigung mit Gott gewinnt der Geist seine Ewigkeit.

Aktualisiert: 2019-09-27